Montag, 11. April 2011

Kirschblütenzeit - 花見

Kirschblüte vorm Osaka-Schloß

Jedes Jahr läutet zwischen Ende März und Anfang April ein Ereignis den Frühling in Japan ein: die Kirschblüte. Für kurze Zeit ist das Land von einem weißen Teppich überzogen, der langsam von Süden nach Norden wandert. Die Schönheit dieser blühenden Bäume haben in Japan eine große Bedeutung, symbolisieren sie die Vergänglichkeit der Dinge, wie auch zugleich einen Neubeginn.

Allerorts wird die Kirschblütenzeit von jedermann mit 花見 - dem traditionellen Kirschblüten-Schauen - zelebriert. Ganze Heerscharen von Japanern versammeln sich unter dem Blätterdach und genießen von früh bis spät die Geselligkeit, bei viel Gelächter, leckeren Köstlichkeiten und お酒 (Alkohol), der in Strömen fließt und hier und da jegliche Hemmungen vergessen läßt. Da kann es schon passieren, daß man in einer Gruppe sarariman in Anzügen (aber mit gelösten Krawatten) plötzlich einen Kollegen Halb- (oder ganz-) nackt durch die Gegend springen sieht. Doch egal, wie sehr bei solchen Festlichkeiten auch über die Stränge geschlagen wird, am nächsten Tag sind derartige Eskapaden - soweit ich gehört habe - bereits vergessen und vergeben, wenn man wieder mit korrekt sitzender Krawatte im Meeting sitzt.

Doch ist dies nicht falsch zu verstehen: die Kirschblüte ist nicht nur eine Ausrede zum sinn- und haltlosen Alkoholkonsum, es ist einfach eine Zeit, in der man sich mit Freunden versammeln und gemeinsam eine schöne Zeit verbringen kann, während man die Schönheit der Natur genießt und die von der Winterkälte gepeinigten Glieder endlich der Wärme der Frühlingssonne aussetzt.



Die Bedeutsamkeit dieses Ereignisses, des Erblühens der Kirschbäume, erkennt man schon daran, daß im Fernsehen ganz selbstverständlich Nachrichten gesendet werden, zu welcher Zeit und an welchen Orten die Blüten bereits wie weit geöffnet sind. Feststellen kann man es auch vor Ort, wenn man versucht, einen Platz zu ergattern, um es sich im gemütlich zu machen: die typischen blauen Plastikplanen werden teilweise schon bei oder sogar vor Sonnenaufgang an den beliebtesten Schauplätzen platziert, um sich sein Revier zu sichern. Eine Aufgabe, die anscheinen in Firmen den Rangniedrigsten zugeteilt wird, die dann dafür verantwortlich sind, noch vor dem ersten Sonnenstrahl ein geeignetes Gebiet zu finden und für die Kollegen zu verteidigen.

夜桜


Diese blauen Plastikplanen sind ein unabdingbares Utensil für ein echtes hanami, und spottbillig zu haben (ca. 14 qm für 350 Yen). Wichtig ist dabei wie beim Betreten einer Wohnung zu beachten: die Schuhe werden ausgezogen, bevor die Decke betreten wird! Also bitte nicht vergessen. Sodann steht nichts mehr der schönen Zeit im Wege, die man in fröhlicher Gesellschaft und bei sushi, tempura, onigiri, yakitori, dango, sake, bier, wein, und vielen weiteren Leckereien genießen kann. Wer lange genug durchhält, kommt sogar noch in den Genuß der 夜桜 (yozakura), wie das Kirschblüten-Schauen in der Nacht genannt wird. Viel Spaß dabei!


Zu guter Letzt noch ein paar Vokabeln, die man vielleicht in diesem Zusammenhang brauchen kann:
一緒に花見しよう。 いっしょにはなみしよう。 Laß uns gemeinsam zum Kirschblütenschauen gehen.
今年桜はすごいキレイですね! ことしさくらはすごいきれいですね! Dieses Jahr ist die Kirschblüte sehr schön, nicht wahr?
夜桜が一番好き。 よざくらがいちばんすき。 Die nächtliche Kirschblüte gefällt mir am Besten.
美味しい! おいしい! Lecker!
あの酔っ払い人はけっこう面白い。 あのよっぱらいひとはけっこうおもしろい。 Dieser Betrunkene dort ist ziemlich lustig.
明日は二日酔い二日酔いだと思う。 あしたはふつかよいだとおもう。 Ich glaube, morgen habe ich einen Kater.
寒いけど嬉しい! さむいけどうれし! Mir ist zwar kalt, aber ich freue mich.
すみませんが、私たちの写真を撮ってくれませんか? すみませんが、わたしたちのしゃしんをとってくれませんか? Verzeihung, aber könnten Sie vielleicht ein Foto von uns machen?
来てくれて一緒に花見してありがとうございました。楽しかったです! きてくれていっしょにはなみしてありがとうございました。たのしかったです! Vielen Dank, daß ihr gekommen seid und wir gemeinsam hanami gemacht haben. Es hat Spaß gemacht!
明日は仕事ですからそろそろ帰ります。 あしたはしごとですから、そろそろかえります。 Weil ich morgen wieder arbeiten muss, gehe ich langsam nach Hause.

Samstag, 2. April 2011

Japanisch am iPhone

Nachdem ich mich in ein paar vorherigen Artikeln bereits über Japanisch auf Android-Handys ausgelassen habe, wollte ich nun noch kurz ein paar sehr praktische Apps für's iPhone vorstellen.



電子辞書 für lau!

Ebenfalls in einem früheren Beitrag habe ich die elektronischen Wörterbücher vorgestellt, mit denen jeder Japaner ausgestattet ist, der eine Fremdsprache lernt, und die auch unter den Japanisch-Lernenden weit verbreitet sind.  Diese können allerdings sehr schnell ins Geld gehen, aber es gibt glücklicherweise eine extrem günstige - nämliche kostenlose - Alternative für iPhone-Besitzer: Kotoba!

"Kotoba!" ist kostenlos im AppStore erhältlich, und beansprucht installiert mit rund 300 MB außerordentlich viel Platz auf Eurem iPhone. Dafür ist es aber auch wirklich ein extrem nützliches und mächtiges Werkzeug, daß ich jedem Japanisch-Lernenden nur ans Herz legen kann. Es handelt sich dabei um ein mehrsprachiges Wörterbuch, das zwischen Japanisch und einer Vielzahl an Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, ... um nur die größten zu nennen) übersetzen kann. Die umfassende Datenbank ist - wie man schon an dem massiven Speicherplatzbedarf ersehen kann - beträchtlich.

Bei der Suche nach Japanischen Wörtern kann man wählen, ob man mit Romaji, Hiragana, Katakana oder Kanji schreibt. (Die Installation des japanischen Keyboards auf dem iPhone natürlich vorausgesetzt, aber glücklicherweise denkbar einfach, weswegen ich dieser keinen eigenen Artikel gewidmet habe.) Besonders komfortabel: Komplette Texte (z.B. erhaltene SMS oder Mails) lassen sich komplett in die Suche kopieren. Zwar wird in diesem Fall nicht der ganze Text übersetzt, aber alle Kanji extrahiert, was es einem vereinfacht, die erhaltene Nachricht zu verstehen.

Für fleißige Schüler der japanischen Kanjis ist diese App ebenfalls besonders zu empfehlen. Zu jedem Kanji gibt es neben der Bedeutung natürlich auch On- und Kun-Lesung, (teilweise zahlreiche) Beispiele für die Verwendung in verschiedenen Sätzen, sowie, besonders beeindruckend, eine kleine Animation über die richtige Strichfolge, um beim Lernen optimale Hilfestellung zu leisten.

Kurzum: diese App bietet unschlagbar viele Möglichkeiten und ist für jeden, der daran interessiert ist, Japanisch zu lernen, einfach unverzichtbar. Und das alles obendrein auch noch kostenlos, also: Schnell zuschlagen!

Verben konjugieren leicht gemacht

Heute steht alles im Zeichen der Mobilität, und glücklicherweise habe ich eine weitere App gefunden, die unvorstellbar praktisch ist. Erinnert sich noch jemand an den Beitrag über die beste Übersicht zum Verben konjugieren? Dort habe ich das phantastische Buch "The Complete Japanese Verb Guide" vorgestellt, das - wie ich gerade festgestellt habe - derzeit von 25 Euro auf 15 Euro im Preis gesunken ist. Allerdings hat man vermutlich oft keine Lust, ein Buch mit sich herumzuschleppen. Auch für diesen Fall gibt es jetzt für iPhone-Besitzer wieder Abhilfe: der Japanese Verb Conjugator Free. Eine weitere kostenlose App, die sich selbst wie folgt beschreibt:

Diese Applikation ist ein Lernmittel für die Japanischstudierenden, das fürs Erlernen von der Konjugation von japanischen Verben gedacht ist.

Sie umfasst 1178 Verben, die beim Japanischstudium unentbehrlich sind, und Sie können die Bedeutung, die Konjugation und die Grammatik von den Verben nachschlagen. Besonders geeignet ist sie für das Weiterstudium und die Verbesserung der Japanischfähigkeit im mittleren Niveau.

Das Deutsch in dieser Selbstbeschreibung ist zwar etwas holprig, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Die App hält, was sie verspricht. Für alle Verben stehen die Übersetzung sowie die grammatikalischen Erläuterungen in verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Die Suche ist manchmal ein wenig kompliziert, aber die Ergebnisse sind sehr umfangreich und gründlich präsentiert, sodaß man sich die neuen Verben mit ihrem Stamm und in ihren Konjugationen gut einprägen kann.


Es existiert noch eine Vielzahl weiterer Apps, auf die ich allerdings an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte. Bei den meisten handelt es sich entweder um Flashcard-Systeme oder nach Themen sortierten Wortlisten, wie man sie aus Reiseführern kennt. Ich selbst habe unter diesen bisher noch keine App gefunden, die es geschafft hat, mich in ihren Bann zu ziehen. Sollte jemand allerdings noch Tipps für unbedingt Pflicht-Downloads haben, würde ich mich wie immer über entsprechende Kommentare freuen. Ich hoffe, daß ich mit diesen beiden Apps vielleicht etwas vorstellen konnte, was der eine oder andere noch nicht kannte, und damit ein bißchen helfen konnte. Jetzt also viel Spaß beim Runterladen und Lernen!

Mittwoch, 30. März 2011

Ab nach Japan - und dann?

日本ようこそ!


Das letzte Mal habe ich geschrieben, was man für Möglichkeiten hat, um für längere Zeit in Japan zu sein. Hat man die Visumsfrage erst einmal geklärt und sich für diesen Schritt entschieden, gibt es noch eine Reihe weiterer Dinge, mit denen man sich auseinander setzen muß. Dieses Mal möchte ich ein paar wichtige Links und Adressen vorstellen, die einem die ersten Tage und Schritte in Japan erleichtern können.

Vorwort
Viele der Tipps, die ich hier präsentiere, sind vor allem dann interessant, wenn man sich dafür entschieden hat, nach Osaka, Kyoto, Kobe oder eine andere Stadt in der Kansai-Region zu ziehen. Das es mich selbst hierher verschlagen hat, kann ich hier meine Erfahrungen aus erster Hand präsentieren, alles andere wären nur "aufgewärmte" Infos, die ich selbst nur aus dem Internet zusammenkopieren müßte. Daher hoffe ich, daß mir die Leser verzeihen, die es eher nach Tokyo, Fukuoka, Sapporo oder sonstwohin verschlägt, und trotzdem etwas Spaß beim Lesen haben oder die eine oder andere nützliche Information finden.


WG's in Japan

Wer sich dazu entschlossen hat, das "wirkliche Leben" in Japan auszuprobieren, muß sich zunächst einmal eine Bleibe suchen. Wer dabei möglichst schnellen und nahen Kontakt zu den "Einheimischen" sucht, ist vermutlich am Besten mit einer WG beraten. In Japan sind WG's zwar bei weitem nicht so populär, wie in Deutschland, aber ganz fremd ist dieses Konzept auch im Land der aufgehenden Sonne nicht. Ein Link, der ganz nützlich bei der Suche ist, ist:
Verteilt über ganz Japan kann man hier seine Suche immer weiter verfeinern, angefangen bei der gewünschten Region bis hin zur gewünschten Stadt, und sehen, ob man jemanden findet, der nach neuen Mitbewohnern sucht. Die Fülle der Anzeigen ist überraschend groß - die Resonanz allerdings meiner Erfahrung nach eher gering. Überlegt Euch gut, was Ihr sucht, und in welcher Sprache Ihr Eure Anfrage verfassen wollt. Viele der Anzeigen existieren nur auf Japanisch, weswegen es ratsam ist, Euch von jemandem helfen zu lassen, der wirklich fit in der Sprache ist (am Besten von einem Japaner), sofern Eure eigenen Kenntnisse noch nicht ausreichen sollten.

Wohnen auf eigene Faust

Wer keine Lust auf eine WG hat, lieber die Privatsphäre einer eigenen Wohnung sucht, oder einfach anders nicht fündig wird, der kann natürlich sein Glück allein in einer Wohnung versuchen. Entweder man mietet sich ein eigenes, kleines Apartment (größer als 1DK ist für eine einzelne Person in Japan eher unüblich - also 1 Zimmer mit einer Wohnküche), was den Vorteil hat, daß man die meisten Freiheiten hat. Man ist vom Ort her am wenigsten gebunden, und kann wirklich relativ frei wählen, WO man wohnen möchte - denn freistehende Wohnungen gibt es an fast jeder Ecke! Zudem bekommt man gleich einen Eindruck davon, was es heißt, alleine seinen eigenen Alltag hier zu gestalten, ohne sich nach irgendwem anders richten zu müssen. Allerdings kommt diese Freiheit natürlich auch mit einem Preis: Die Organisation gestaltet sich mitunter als schwierig - auch hier ist Hilfe vor Ort (z.B. durch Freunde) angeraten - und die Mieten (sowie weitere ominöse Kosten, wie Schlüsselgeld und Geschenkgeld) sind natürlich in der Regel teurer, als in einer WG. Außerdem muß man sich in diesem Fall auch allein mit den japanischen Mietverträgen herumschlagen (ich mußte z.B. unterschreiben, daß ich keinen Müll aus dem Fenster werfe, und keine merkwürdigen Sachen hinausbrülle - auf was für Ideen manche Leute aber auch kommen... ^^).

Monthly Mansions

Eine alternative dazu bieten die sogenannten "Monthly Mansions". Im Gegensatz zu Hotels und Jugendherbergen werden diese - wie der Name schon sagt - auf Monatsbasis gemietet. (Es gibt auch "Weekly Mansions", die man - na, wer weiß es? - entsprechend für eine oder mehrere Wochen mieten kann.) Hier bekommt man in der Regel ein bereits fertig ausgestattetes, möbliertes Zimmer, im Idealfall ist sogar schon Internet vorhanden, sowie Strom, Wasser und Gas. Oft findet man hier Gemeinschaftsduschen, gemeinsam genutzte Küchen, oder auch münzbetriebene Waschmaschinen für die Allgemeinheit vor. Hier sind vor allem andere Ausländer anzutreffen, die ihrerseits für einige Zeit in Japan sind, sodaß man schnell Anschluß finden und Erfahrungen austauschen kann. Dies kann natürlich besonders hilfreich sein, wenn die eigenen Japanischkenntnisse noch in den Kinderschuhen stecken. Ich selbst habe diese Art des Wohnens nicht ausprobiert. Es ist zwar sicherlich ein einfacher Einstieg und erleichtert einem die ersten Gehversuche in diesem Land enorm, allerdings ist meine Befürchtung, daß das "Reise-Feeling" nicht ganz verloren geht, da mich die Atmosphäre doch sehr an eine Jugendherberge erinnert. Dieses Empfinden ist aber natürlich ganz persönlich, und es kann gut sein, daß jemand anders absolut glücklich mit dieser Lösung ist - es muß also jeder für sich herausfinden, was man will.


"Hier habe ich noch eine schöne Wohnung für Sie..."

In jedem Fall empfiehlt sich die Wohnungssuche mit Hilfe eines Maklers. Auch diese gibt es hier wie Sand am mehr, und entsprechend ist es nicht verwunderlich, daß sie sich große Mühe geben, um einen bei der Wohnungssuche zu unterstützen. Nachdem man sich selbst ein paar Rahmenbedingungen überlegt hat (Miete, Größe, Lage), empfehle ich, mit diesen Vorstellungen zu einem Makler zu gehen, und sich einfach eine Reihe von Wohnungen anzuschauen, bis man das Domizil gefunden hat, indem man sich wirklich zu Hause fühlen kann.

An dieser Stelle ein ganz wichtiger Rat von mir: sucht wirklich gründlich und nehmt Euch ausreichend Zeit! Mietet Euch z.B. für die ersten Tage in einem Weekly Mansion ein, dann habt Ihr am wenigsten Streß. Von dort klappert verschiedene Makler und Wohnungen ab - Ihr müßt hier (und wollte hier) für eine längere Zeit leben, also wäre es schade, wenn Ihr Euch diese Erfahrung dadurch "kaputt" machen würdet, daß Ihr Euch ungeduldig für eine Wohnung entscheidet, und es danach jeden Tag bereut!

Wie gesagt gibt es haufenweise Makler, die nur darauf warten, Euch eine Wohnung anzudrehen. Eine meiner Meinung nach gute Adresse, besonders auch für Ausländer gut geeignet, ist diese:
Die Seite umfaßt sowohl Monthly Mansions, wie auch Apartments jeder Größenordnung, jeder Preisklasse und in jeder Lage. Die Suchfunktion ist sehr praktisch gestaltet, da man viele Kriterien (Größe, Bahnhofsnähe, Internet inklusive, Geschenkgeld, etc.) bereits von vornherein heraus filtern kann. (Wie gesagt, wer in einer anderen Stadt sucht, muß sich bitte selbst schlau machen. ごめんね!)


"... bißchen leer hier..."

Hat man sich schließlich entschieden und ein neues Zuhause gefunden, geht es daran, sich einzurichten. Im Falle der "Mansions" wird man nicht so viele Dinge brauchen, aber steht man vor einem leeren Apartment, muß man ein paar Dinge tun, um sich dort auch wohl zu fühlen. Ein paar Möbel müssen her, doch woher nehmen, wenn nicht stehlen - und das am Besten, ohne das Budget zu sprengen? Keine Sorge, auch hierfür gibt es Abhilfe. Die erste Möglichkeit:  
Ja, Schweden hat auch seinen Weg nach Japan gefunden. Das bekannte Möbelhaus bietet auch hier alles, was man für den Alltag braucht. In Osaka ist es sehr gut mit dem kostenlosen (!) Shuttlebus zu erreichen, der von Umeda oder Namba aus direkt zum Einrichtungshaus fährt, und einen auch wieder zurückbringt. Auf der Webseite finden sich die aktuellen Busfahrzeiten, Lagepläne, und die Möglichkeit, schonmal online ein bißchen zu stöbern.

Wem das noch zu teuer ist, der kann auf second-hand Ware zurückgreifen. "Des einen Leid ist des anderen Freud", wie es so schön heißt. Ohne schadenfroh sein zu wollen, ist es trotzdem schön, daß es für Sparfüchse etwas gibt, worauf dieses Sprichwort genau zutrifft. Das Stichwort heißt: Sayonara-Sales. Viele Leute ziehen aus oder um, viele Ausländer müssen (manche wollen vielleicht?) sogar zurück in ihr Heimatland, und lösen ihre Existenzen auf. Im Internet finden sich viele Seiten, die ununterbrochen aktualisiert werden. Hier findet man eigentlich so gut wie alles, von Betten zu Futons, von Couches zu Stühlen und Tischen, von Töpfen bis Lampen, von Fernsehern bis DVD-Playern, Waschmaschinen, Kühlschränke, Gitarren, Fahrräder, Regale... einfach alles, was sich eben so ansammelt. Das Gute: die Leute haben mit diesen Dingen selbst gelebt, also ein eigenes Interesse daran gehabt, die Dinge in gutem Zustand zu halten. Hier kriegt man wirklich so gut wie alles, was man braucht, um sich neu einzurichten, und das für einen Spottpreis - oder manchmal (wenn die Zeit drängt) kriegt man die Sachen oftmals (gegen Abholung) sogar umsonst. Hier ein paar der besten Adressen (im Raum Osaka), die ihr natürlich auch selbst nutzen könnt, wenn ihr eines Tages wieder zurück müßt:
und etwas allgemeiner (nicht nur auf Kansai/Osaka beschränkt):
Ein Blick lohnt sich allemal, und die Leute sind dankbar und froh, wenn Ihr Ihnen die Sachen abnehmt. Ach ja, eine kleine Anmerkung noch: nicht nur Möbel, auch einen Schritt vorher lohnt sich bereits ein Besuch dieser Seiten, da hier auch Wohnungsanzeigen zu finden sind!

Und zu guter Letzt noch ein Tipp für alle Osaka-Reisenden: Schaut doch mal bei

vorbei. Dort helfen wir Euch "live" und vor Ort bei allem, was so anfällt, wenn Ihr Euch hier Euer neues Leben aufbauen wollt, bei allem was anfällt: Wohnungssuche, Sprachschule, Miethandy, etc. Wir freuen uns auf Euch.

Jetzt wünsche ich allen, die bis hier gelesen haben, viel Spaß beim Umziehen! ^^ 楽しんで!

Ab nach Japan - aber wie?

ドイツさようなら!


Die Koffer sind gepackt, die Wohnung gekündigt, die Abschiedsfeier mit den Freunden war phantastisch, und nun steht man am Flughafen, um sein neues Leben in Japan anzufangen...

Halt, hier fehlen ein paar wichtige Vorbereitungen!
Heute möchte ich ein bißchen darüber schreiben, was man alles beachten muß, wenn man sich für den Schritt entschieden hat, für längere Zeit zu gehen.


"Ich hau mal eben ab..."
Option 1: Der "fortgeschrittene" Tourist

Wenn man einmal für längere Zeit in Japan wohnen möchte, hat man verschiedene Möglichkeiten, um diesen Schritt einmal auszuprobieren. Bevor man diese Entscheidung endgültig macht und alle Zelte in der Heimat abbricht, empfehle ich, vorher einmal in das neue Leben "reinzuschnuppern", und sich sozusagen eine Runde "Japan Light" anzusehen. Hierfür kann man einfach mit einem ganz normalen Touristenvisum einreisen, was einem einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen ermöglicht. Dieser Zeitraum ist lang genug, um nicht in das typische "Touristen-Gefühl" hineinzurutschen - ich setzte hier einfach mal ganz frech voraus, daß wer sich dazu entscheidet, für länger hier zu sein, die reguläre Touristen-Erfahrung bereits gemacht hat. Klar, wenn man diese 90 Tage nutzt, um jeden Winkel des Landes zu bereisen, wird kaum ein Heimatgefühl aufkommen. Darum empfehle ich, sich "zum Ausprobieren" für eine Stadt der Wahl zu entscheiden, und sich dort für diese 3 Monate häuslich niederzulassen. Dadurch hat man die Gelegenheit, ein bißchen den ganz gewöhnlichen Alltag kennen zu lernen: Einkaufen gehen, die eigene Wohnung putzen (statt abends ins fertig gemachte Hotelzimmer zurückzukommen), Waschen, Freunde treffen, etc. Außerdem kann man dabei einmal sehen, wieweit einem die bisherigen Japanischkenntnisse schon helfen, und wo noch dringend Aufholbedarf besteht.

Für das Touristen-Visum ist nichts besonderes zu beachten. Wenn man das nötige Kleingeld zusammengespart hat, und es die derzeitige Lebenssituation erlaubt, sich eine dreimonatige Auszeit zu gönnen, ist diese Version ein guter Einstieg, um zu testen, ob man sich ein Leben für längeren Zeitraum in diesem Land vorstellen kann. Einziger Haken an der Sache: Als Tourist ist es einem verboten, in Japan zu arbeiten oder zu jobben! Ihr solltet also vorher Euer Sparschwein ordentlich mästen, bevor Ihr so eine Reise antretet.

Wer allerdings hierbei bereits den Kulturschock erleidet, schon nach allzu kurzer Zeit bereits keinen Reis mehr sehen kann, oder wegen Kommunikationsschwierigkeiten oder sonstiger Probleme von einem Frustmoment in den nächsten stolpert, dem würde ich davon abraten, eine lange Zukunft in diesem Land in Erwägung zu ziehen. Wer allerdings jetzt erst "Blut geleckt" hat, und nach diesen drei Monaten schon traurig ist, dieses Land verlassen zu müssen, dem bieten sich einige Möglichkeiten, nach Japan zurückzukehren.


Osaka Universität
Option 2: Der Student

Wer im richtigen Alter ist, kann versuchen, einen Platz an einer Uni in Japan zu ergattern, und sich hier dem Studium zu widmen. Der Vorteil davon ist, daß man als Student ein entsprechendes Visum erhält, was einem Aufenthalt von bis zu mehreren Jahren (ich glaube ca. 3 oder 4?) ermöglicht. Obendrein ist es an einer Uni vermutlich leicht, Anschluß und neue Freunde zu finden, und sich voll und ganz der Kultur zu widmen, und so schnell Fortschritte zu machen. Die Kehrseite sind zum einen die hohen Kosten, die mit einem Uni-Besuch in Japan verbunden sind (die vermutlich über die deutschen Studiengebühr-Diskussionen bloß lachen können).

Ich selbst habe diese Erfahrung leider nicht gemacht, aber wenn sich jemand hierzu äußern will oder anderen Lesern seine Erfahrungen oder Infos mitteilen möchte, würde ich mich über entsprechende Kommentare freuen.


Kleines Budget: "Working Holiday Maker"

Option 3: Der "Working Holiday Maker"

Eine weitere, sehr interessante Möglichkeit bietet sich in Form des "Working Holiday Visums" an. Japan hat mit Deutschland (und noch einigen anderen Ländern mit teilweise leicht unterschiedlichen Details) ein Abkommen für junge Leute, die interessiert am Kulturaustausch sind und sich zu diesem Zweck für die Dauer bis zu einem Jahr im entsprechenden Land aufhalten möchten. Um dieses Visum zu erhalten, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden. Hierzu zählt als Erstes: Die Bewerber dürfen höchstens 30 Jahre alt sein - danach ist dieser Zug abgefahren. Ja, richtig, mit 30 kann man sich auch noch bewerben, solange das Visum VOR dem 31. Geburtstag ausgestellt wird. Dadurch kann sich gegebenenfalls alles nach hinten verschieben: ab dem Ausstellungsdatum hat der Antragsteller 1 Jahr Zeit, die Reise ANZUTRETEN. Die Visumsdauer von einem Jahr läuft dann ab der Ankunft in Japan, wodurch man also im extremsten Fall nach der derzeitigen Regelung mit 32 Jahren noch als Working Holiday Maker in Japan sein kann.

Neben dem Alter gibt es noch einige andere Anforderungen, die man erfüllen muß, um dieses Visum zu erhalten. Bei der Beantragung des Visums ist nachzuweisen, daß man genug Geld auf der hohen Kante hat, um die erste Zeit in Japan auch zu überleben (ohne Japaner überfallen oder anbetteln zu müssen). Man sollte also rund 2000Euro gespart haben, wenn man das Visum beantragt. Außerdem benötigt man eine Auslandskrankenversicherung für die komplette Reisedauer, sowie ein Hin- und Rückflugticket. (Sollte man noch keinen Rückflug gebucht haben, erhöht sich lediglich die Summe, derzeit um rund 1200 Euro, die man bei Antragstellung auf dem Konto vorweisen muß, um sicherzugehen, daß der/die Reisende auch genug Geld hat, um das Land wieder verlassen zu können, wenn seine/ihre Zeit abgelaufen ist). Des Weiteren gibt es noch ein paar Formulare auszufüllen und weitere Dokumente einzureichen: Ein sehr abstrakter Lebenslauf, der eigentlich nur die bisherigen Eckdaten der Ausbildungslaufbahn und bisherigen Arbeitgeber enthält, ein (nicht verpflichtender!) Plan, wie man gedenkt, dieses eine Jahr in Japan zu gestalten (hier sollte man darauf achten, deutlich zu machen, daß man sehr daran interessiert ist, diese Kultur kennenzulernen), und ein ca. eine Seite langes Motivationsschreiben, in dem man die Gründe darlegt, die einen zu diesem Schritt bewegen. Abgerundet wird das ganze natürlich durch einen ausreichend lange gültigen Reisepaß, sowie zwei Paßfotos für verschiedene Formulare und Anträge im Land. (Weitere und stets aktuelle Informationen hierzu findet man auf den Seiten der Japanischen Botschaft in Deutschland.

Wichtig zum Working Holiday Visum ist noch eines zu sagen: Wie der Name schon andeutet, ist es gestattet, sich mit diesem Visum einen Job zu suchen, um den Lebensunterhalt zu verdienen - und wer keinen Goldesel zu Hause hat, wird sicherlich davon Gebrauch machen müssen, denn leider ist Japan sehr, sehr teuer.


Ein "Sarariman" bei der Mittagspause
Option 4: Der "Sarariman"

Sollten die bisherigen Optionen aus irgendwelchen Gründen nicht in Frage kommen, kann man sich auch einfach mit einem ganz normalen Arbeitsvisum nach Japan begeben. Dieses erhält man entweder von einer deutschen Firma, die ihre Mitarbeiter nach Japan schickt - und sich in diesem Falle wohl auch um die nötigen Formalitäten kümmert - oder von einem japanischen Arbeitgeber, sollte man bereits einen gefunden haben.

Auch hier muß ich leider darauf hinweisen, daß ich diese Erfahrung noch nicht gemacht habe, und sich diejenigen, für die diese Option in Frage kommt, selbst schlau machen (und dann vielleicht hier ihr Wissen mit uns teilen).


Hochzeit auf Japanisch
Option 5: Die Hochzeitsglocken

Wer denn das Glück haben sollte, seine große Liebe in diesem Land gefunden zu haben, kann das "Spouse Visa" in Anspruch nehmen, welches für Ehepartner ausgestellt wird. Auch hier berufe ich mich bisher nur auf das, was ich vom Hören-sagen her weiß. Wer dieses Visum beantragen, muß zunächst eine tatsächliche Ehe mit allen Formalitäten mit einem japanischen Staatsbürger bzw. einer japanischen Staatsbürgerin vorweisen. Der Prozeß kann sich allerdings sehr lange hinziehen, insbesondere falls aus irgendwelchen Gründen ein Verdacht bestehen sollte, daß es sich lediglich um eine Scheinehe zu Visumszwecken handelt (wie man es - zwar nicht unbedingt aus Japan - aus diversen Hollywood-Filmen kennt). Die Glaubwürdigkeit spielt eine tragende Rolle bei der Entscheidung, ob ein derartiges Visum vergeben wird, oder nicht. Hierzu zählt z.B. auch die (getrennte) Befragung durch Beamte nach der bisherigen, gemeinsamen Vergangenheit ("Malen Sie den Grundriß Ihrer Wohnung auf."), oder Dokumentation derselben durch Fotos von vergangenen, gemeinsamen Reisen oder sonstigem. Wer allerdings ehrlich an die ganze Sache rangeht, sollte nichts zu befürchten haben, außer der bürokratischen Mühle, deren Räder sich zumal sehr langsam drehen.

Auch dieses Visum wird nur temporär ausgestellt, und ermöglicht einem einen Aufenthalt zwischen 1 und 3 Jahre (meines Wissens nach), bevor es erneuert werden muß. Die gute Nachricht ist aber, daß man während der Bearbeitungszeit für das Visum ein "temporäres" Visum ausgestellt bekommt, welches es einem zwar in dieser Zeit nicht ermöglicht, zu arbeiten, aber immerhin im Land und bei seiner/seinem Liebsten zu sein. <3 


Was einen da wohl erwartet...?

Auf geht's...


Dies sind vorerst die häufigsten, oder mitunter einfachsten Wege, eine Aufenthaltsgenehmigung in Japan zu bekommen. Sicherlich existieren noch andere Möglichkeiten (beispielsweise ein Manager-Visum), die allerdings eher "exotisch" sind und sich mir jeglicher Kenntnis entziehen. Und da niemandem mit weiteren "da-müßt-ihr-selber-schauen"-Absätzen geholfen werden, möchte ich an dieser Stelle mit den oben genannten Optionen abschließen, und wünsche allen Interessierten viel Spaß und viel Erfolg bei der Planung dieses Leben-verändernden Schrittes. 頑張ってね!

Samstag, 19. Februar 2011

Wer braucht schon Kanji?

漢字! Kanji! Wohl mit eine der größten Hürden, die es zu bewältigen gibt, wenn man sich die japanische Sprache aneignen will. Kanji sind schön, Kanji sind mysteriös, Kanji sind praktisch, Kanji bringen einen zum Verzweifeln, Kanji sind nützlich, Kanji sind furchtbar... Es gibt viel, was man über die chinesischen Schriftzeichen, die im Japanischen verwendet werden, sagen kann. Man kann sie lieben, sie hassen, oder sie einfach akzeptieren. Was aber ist die "richtige" Antwort auf die Frage: Wer braucht schon Kanji?

Viele Kurse und Bücher verzichten zunächst voll auf Kanji. Statt dessen wird zunächst nur in Romaji gelehrt, und irgendwann auf Hiragana und Katakana erweitert. Die Kanji sind einfach zu schwer und zu viele, als daß man einen Lernanfänger sofort damit konfrontiert. Nicht wahr? - Falsch! Meiner Meinung nach. Ich möchte kurz von meiner eigenen Erfahrung erzählen, damit sich jeder ein Bild davon machen und eine eigene Meinung bilden kann, ob und wann für ihn oder sie die richtige Zeit ist, Kanjis zu lernen, oder eben nicht.



Wie eben erwähnt, habe auch ich mein Selbststudium der japanischen Sprache angefangen, während ich auf Kanji weitgehend verzichtet habe. Zwar war ich von der Schönheit dieser Zeichen, die jedem Text etwas mystisches geben - selbst wenn es sich nur um eine Einkaufsliste oder Waschanleitung handelt - von Anfang an fasziniert, doch schien es ein auswegloses Unterfangen, diese komplexen Zeichen in ihrer Fülle (für den Alltag ist ein Grundrepertoire von über 2000 Zeichen nötig!) jemals erfassen zu können. Getrieben von der Ungeduld, schnelle Erfolge erzielen zu wollen, beschränkte ich mich darauf, mit Hiragana und Katakana auszukommen. Diesen Schritt sollte man so früh wie möglich machen, und die Welt der Romaji verlassen, da die vielen ähnlichen Laute kaum zu unterscheiden sind, sobald man jedoch die Silbenschrift verwendet, werden die Unterschiede schneller deutlich und sind leichter zu behalten.

Doch genügt das? Um ehrlich zu sein: Nein. Japanisch ist gespickt mit Homonymen, was es auch so schwer macht, diese Sprache passiv zu lernen, indem man ihr einfach ausgesetzt ist. In anderen Sprachen, wie beispielsweise Englisch oder Französisch, kann man in der Regel davon ausgehen, daß (fast) alles, was man hört, eine eigene Bedeutung hat. Im Japanischen gilt das leider nicht, und so können gleich klingende Wort zig verschiedene Bedeutungen tragen. Hier helfen die Kanji aus.

Was bedeutet "kami" かみ? 
  1. かみ: 紙 = Papier
  2. かみ: 神 = Gott
  3. かみ: 髪 = Haar

Ein Beispiel, welches sich in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Während einer Unterhaltung mit einer Freundin, erzählte mir davon, daß sie gerne Umziehen möchte. Allerdings sei der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen. Sie sprach von ihrem Freund und sagte mir:

「かれはくるまでまつ。」

 Was bedeutet das? Ich hörte folgendes:

「かれが車で待つ。」 - "Er wartet im Auto." Ich fragte mich, von welchem Auto sie spräche, und warum er dort warten sollte, da ich den Sinn dieser Aussage nicht erfassen konnte. Doch sie klärte auf, was sie tatsächlich gesagt hatte:

「かれが来るまで待つ。」 - "Ich warte, bis er kommt." - Phonetisch sind diese beiden Sätze nahezu identisch, und eine Schreibweise in Hiragana machen den Unterschied zunichte. Zu diesem Punkt wünschte ich mir, daß man auch in Kanji spräche, um derartige Mißverständnisse zu vermeiden.(Der spitzfindige Leser mag hierbei nun kritisieren, daß wie schon angedeutet, in einer Konversation mir Kanji auch nicht weitergeholfen hätten, oder daß bei ausreichend fortgeschrittenem Level der Kontext und die Grammatik möglicherweise den Unterschied noch verdeutlicht hätten. Dem kann ich nur entgegnen: Solche Situationen kann man auch antreffen, wenn man nicht spricht, sondern Mails, Briefe, Bücher oder sonstwas schreiben bzw. lesen will. Und solange man noch kein Meister der japanischen Sprache ist, ist es meiner Meinung nach schwer oder teilweise unmöglich, grammatikalische Details genau genug oder schnell genug zu erörtern.)

Dies sollte nur ein Beispiel sein, bei dem Kanji geholfen hätten, den Sinn deutlicher zu machen. Da im japanischen in der Regel keine Trennung zwischen den einzelnen Wörtern existiert, sondern alles in einem fort durchgeschrieben wird, sind Kanji eine große Hilfe, um einen Text einfacher und flüssiger lesen zu können. Hier komme ich auch gleich zu meiner zweiten Hauptmotivation, Kanji verstehen können zu wollen. Das Lesen! Anfangs ist man stolz mit den beiden Silbenalphabeten, und freut sich, wenn man tatsächlich an einem Laden ein Schild mit der Aufschrift うどん oder ラーメン lesen kann. Allerdings sind das nur sehr wenige Ausnahmen. Ohne Kanji-Kenntnisse läuft man durch Japan wie ein Analphabet. Jedes Schild, jede Anzeige, jede Nachricht oder jede Speisekarte erscheint einem in unentzifferbaren Hieroglyphen. Sobald man seine ersten Gehversuche in dieser Kultur macht, wird man noch genug mit vielen neuen Aspekten beschäftigt sein, um sich an diesem Umstand - diesem Mißstand - nicht zu sehr zu stören. Doch sobald man tiefer Einblicken möchte, mehr verstehen möchte, sind Kanji einfach unumgänglich.

Dies führt auch direkt zu meiner Antwort auf die Anfangs gestellte fragen. Wer Kanji braucht? Jeder, der sich wirklich eindringlich und tiefgehend mit der japanischen Sprache (und Kultur?) beschäftigen möchte. Wer also lediglich genug Japanisch lernen möchte, um bei einer Reise in dieses Land eine gewisse Grundkommunikation beherrschen möchte, kann getrost auf Kanji verzichten. Für diesen Fall sind schnelle Erfolge wichtig. Hierzu empfehle ich einen nach Themen sortierten Sprachführer, wie beispielsweise Kauderwelsch, Japanisch Wort für Wort der Wert darauf legt, den Reisenden schnell mit den wichtigsten Redewendungen vertraut zu machen. Selbst wenn man den Namen einer Sehenswürdigkeit, eines Hotels, oder des Bahnhofs, den man sucht, nicht auf einem Schild lesen kann, wird man mit grundsätzlichen Sprachkenntnissen doch irgendwie zum Ziel kommen, wenn man sich einfach durchfragt. Hier sind schnelle Erfolge gefragt, und wichtiger als ein eindringliches Studium der japanischen Sprache.

Wer allerdings ernsthaft das Ziel hat, diese Sprache in ihrer Ganzheit zu begreifen, dem lege ich ans Herz, von Anfang an damit zu beginnen, auch die nötigen Kanji zu lernen. Kanji sind ein essentieller Bestandteil der Sprache, und unverzichtbar, um wirklich Japanisch zu lernen. Ich selbst mußte leider schmerzlich die Erfahrung machen, daß es sich später rächt, wenn man zu lange damit wartet. Die Lücke zwischen dem Sprech-Level und dem Lese-Level wird zu groß, und es ist sehr schwer, dies nachträglich aufzuholen und zu füllen. Um die Nuancen der Sprache wirklich begreifen zu können, sind Kanji nicht nur hilfreich, sondern unverzichtbar. Zunächst sind die Zeichen mit ihren vielen Strichen und komplexen Formen zwar vielleicht abschreckend, aber sie helfen ungemein beim Verständnis neuer gelernter Wörter, und beim Erkennen und Lesen.Es sind zwar sehr viele Zeichen, die man studieren muß, aber in jeder anderen Sprache fängt man auch damit an, zunächst einmal das Alphabet lesen zu können. Wer zum Beispiel Französisch lernt, muß sich beispielsweise auch mit den Unterschieden zwischen é, è und ê auseinandersetzen, anstatt einfach nur "e" zu schreiben. Im Japanischen ist es nicht anders. Darum appeliere ich an alle, die wirklich Japanisch lernen wollen: Habt keine Angst vor den Kanji, stellt Euch der Herausforderung so früh wie möglich, es wird sich auf jeden Fall lohnen!

Zum Abschluß noch ein meiner Meinung nach sehr guter Buchtipp: Basic Kanji Book: 1 Dieses Buch hebt sich dadurch von den unzählichen anderen Büchern ab, daß es nicht nur Wortlisten beinhaltet, sondern sehr gute Übungen, kurze Texte, die die neu gelernten aufeinander aufbauend verwenden, und vor allem sehr nützliche Kanji, die man im Alltag sehr häufig antrifft. Andere Bücher oder Kurse gehen oft nach dem Schulsystem vor, nach dem die Kinder in Japan von der ersten bis zur sechsten Klasse (!) den natürlichen Umgang mit den grundlegenden rund 2000 Kanji lernen. Für einen Neuling der japanischen Sprache ist meiner Meinung nach der Ansatz in diesem Buch besser geeignet, da besonders eine regelmäßige Verwendung der neu gelernten Materialien hilft, sich die Schriftzeichen besser merken zu können, wenn man ihnen im Alltag begegnet.

Viel Spaß und Erfolg an alle Lernenden. お互い頑張ろう!