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Montag, 15. März 2010

Grammatik: Passiv

Die Passiv-Form ist eine Form, die im Japanischen sehr häufig verwendet wird. Gebildet wird dies dadurch, daß man an den Stamm eine neue Endung anhängt. Extrem vereinfach kann man sagen, daß in die Verben einfach ein られ bzw. あれ eingebaut wird. Anhand einiger Beispiele möchte ich kurz erklären, welche Regeln dabei zu beachten sind.

Die Gruppen
Als erstes muß man sich bewußt machen, um was für ein Verb es sich handelt. Im Japanischen werden hier drei Gruppen unterschieden:
  1. Gruppe: Verben, die in der ます-Form auf "i" vor dem ます enden.
    Beispiele: 書く 「かきます」、 飲む 「のみます」、 帰る 「かえります」
  2. Gruppe: Verben, die in der ます-Form auf "e" vor dem ます enden.
    Beispiele: 食べる 「たべます」、 覚える 「おぼえます」、 忘れる 「わすれます」
  3. Gruppe: unregelmäßige Verben (zum Glück nur 2):
    する、 くる
Es gibt zwar ein paar Ausnahmen, aber wenn man sich diese Einteilung erst einmal bewußt macht, ist die Japanische Grammatik bedeutend einfacher zu bewältigen. Achtet man auf die Endung in der ます-Form, kann man so die Verben schnell und einfach einordnen.

Bildung des Passiv
Um die Passiv-Form der japanischen Verben zu bilden, muß man je nach Gruppe ein paar einfache Regeln beachten. Wie bei allen anderen Formen sind auch hier dei Verben der Gruppe 1 die schwierigsten, da man die Silben ein bißchen verändern muß. Hierbei wird aus dem "i" vor dem ます ein "a", bevor noch die Silbe れ eingefügt wird. Bei Verben aus der zweiten Gruppe genügt es, einfach ein られ einzufügen, um die Form zu bilden. Der Stamm der Verben bleibt in beiden Fällen erhalten. Die beiden unregelmäßigen Verben haben eine Sonderform, die man sich einfach merken muß.


Beispiele für Gruppe 1:
ます-Form    PassivÜbersetzung
かきますかかれます    schreiben
ふみますふまれますauf etw. treten (z.b. auf den Fuß treten)
よびますよばれます(her-)rufen
とりますとられます(auf-)nehmen
いいますいわれますsagen
まちますまたれますwarten
おしますおされますdrücken/schieben

Beispiele für Gruppe 2:
ます-FormPassivÜbersetzung
ほめますほめられますloben
しらべます    しらべられます    untersuchen, nachschlagen
* みます* みられますsehen, anschauen (*Ausnahme!)

Beispiele für Gruppe 3:
ます-Form   PassivÜbersetzung
しますされますtun, machen
きますこられます    kommen

Weitere Beispiele und Erläuterungen dazu finden sich auch im Buch "Minna No Nihongo: Translation and Grammatical Notes Bk. 2: Translation and Grammatical Notes Bk. 1"

Sonntag, 7. März 2010

Kalender

Im japanischen Kalender wird etwas anders gezählt, als bei uns. Für uns sind die Monate deutlich einfacher zu lernen, als für die Japaner, wenn sie unsere Monatsnamen lernen müssen. Im Japanischen genügt einfach die Zahl gefolgt von 月 für Monat. Mai ist also 五月 「ごがつ」 oder November heißt 十一月 「じゅいちがつ」. Wir müssen also ledlich das japanische Zahlensystem lernen:
1: 一 2: 二 3: 三 4: 四 5: 五 6: 六
7: 七 8: 八 9: 九 10: 十 11: 十一 12: 十二
Etwas schwieriger wird es allerdings leider bei den Tagen des Monats. Manche werden ganz regulär gebildet, indem einach an die Zahl des Tages noch das Wort für Tag 日 「にち」 angehängt wird. Es gibt allerdings Ausnahmen, und zwar leider in der Hälfte der Fälle.

1日 「ついたち」
2日 「ふつか」
3日 「みっか」
4日 「よっか」
5日 「いつか」
6日 「むいか」
7日 「なのか」
8日 「ようか」
9日 「ここのか」
10日 「とうか」
14日 「じゅうよっか」
19日 「じゅうくにち」
20日 「はつか」
24日 「にじゅうよっか」
29日 「にじゅうくにち」

Leider etwas umständlicher, aber wenn man nicht immer sagen will "Treffen wir uns am Vier März." kommt man nicht umhin, sich diese Ausdrücke einzuprägen. Besondere Vorsicht ist hier bei dem 4. und dem 8. des Monats geboten, die mit よっか und ようか sehr ähnlich klingen.

Grundsätzlich kann man fast immer den Tag auch der Einfachheit halber einfach durch die Zahl und das Anfügen von 日 「にち」 ausdrücken, wie man es bei den "Nicht-Ausnahme-Fällen" tut. Lediglich zum ersten Tag des Monats ist es unabdingbar, ついたち zu sagen, da いちにち einfach "ein ganzer Tag" bedeutet.

Dienstag, 2. März 2010

Adjektive

Adjektive stellen einen extrem wichtigen Bestandteil jeder Sprache dar. Sobald man einmal angefangen hat, sich mit seinen japanischen Freunden über alles mögliche zu unterhalten, wird man nicht umhin kommen, sich auch in diesem Bereich einen möglichst großen Wortschatz aufzubauen. Einen ersten Einstieg möchte ich heute mit dieser kleinen Liste geben.

Grundsätzlich werden im Japanischen zwei Arten von Adjektiven unterschieden: die i-Adjektive und die na-Adjektive. Dies bezeichnet die Endung der jeweiligen Wörter und ist ein Hinweis darauf, wie das betroffene Substantiv angebunden wird, direkt oder mit einem Bindewort (な).

i-Adjektive


よい
gut

いたい
schmerzhaft

うつくしい
hübsch

みにくい
häßlich

はやい
schnell

きたない
schmutzig

つよい
stark

よわい
schwach

ひどい
furchtbar/grausam

おおきい
groß

ちいさい
klein

くさい
stinkend

あつい
heiß

さむい
kalt (Temperatur)

あた(た)かい
warm

つめたい
kalt (Gegenstand)

すずしい
kühl/frisch

ながい
lang

みじかい
kurz


na-Adjektive


ていねいな
höflich

しつれいな
unhöflich (bekannt z.B. aus 「しつれいします!」

( だい ) すき
lieben/mögen (hier ist es erforderlich, umzudenken: anders als bei uns ist dies kein Verb, sondern tatsächlich ein Adjektiv!)

( だい ) きらい
hassen/nicht mögen (wie bei "mögen" steht für die Vorsilbe だい = 大 = "groß" und kann das Adjektiv verstärken: "nicht mögen" -> "hassen")

じょうず
geschickt (Dies werdet Ihr oft als Kompliment hören, sobald Ihr auch nur 2 Worte Japanisch von Euch gebt. Damit loben Euch die Japaner und sagen, wie gut doch Euer Japanisch schon ist!)

しずか
ruhig

べんりな
praktisch

しょうじきな
ehrlich

はでな
auffällig

してきな
poetisch

Sonntag, 14. Februar 2010

から und ので : Kausale Zusammenhänge im Japanischen

Heute gibt es eine kurze Grammatik-Erklärung zur Bildung von kausalen Zusammenhängen. Wenn man einer Aussage noch eine Begründung hinzufügen möchte, stehen hierfür ein paar Konstrukte im Japanischen zur Verfügung, die ich hier kurz vorstellen möchte.


  • から = nachdem (+ て-Form)
Diese Form ist sehr gebräuchlich und wird von der Bedeutung her so ähnlich wie "weil" verwendet. Ein Beispiel für den Einsatz von から ist dieser Satz:

食べてから行く。 (Tabete kara iku.) "Nachdem ich gegessen habe, gehe ich."

日本語を学んでから分かる。 (Nihongo o manande kara wakaru.) "Nachdem ich japanisch gelernt habe, verstehe ich." Diesen Satz könne man auch übersetzen mit "Weil ich japanisch gelernt habe, verstehe ich."

いい天気から散歩をしたい。 (Ii tenki kara sampo o shitai.) Weil schönes Wetter ist, möchte ich spazieren gehen.

  • ので = weil (darum) 
Das Bindewort ので bedeutet "weil". Allerdings sind die Satzkonstrukte etwas anders, als im Deutschen. Daher ist es möglicherweise einfacher, wenn man es mit "darum" übersetzt, und eine Nebensatzkonstruktion baut. Der Grund ist der, daß wir es gewohnt sind, weil so zu verwenden, daß wir zuerst den Effekt beschreiben, und danach mit "weil" die Ursache angeben.
Im Japanischen wird dies genau umgekehrt eingesetzt, weswegen eine direkte Übersetzung mit "weil" schwierig ist, daher empfiehlt sich (gedanklich) die Konstruktion mit "darum". Der volle Satz entsteht also, indem man quasi sagt: Ursache + ので + Effekt. Auch hierzu ein paar Beispiele:

ここは暑いので嫌いです。 (Koko wa atsui node kirai desu.) "Ich hasse es hier, weil es heiß ist." Hier sieht man, daß Satzanfang und Satzende genau umgekehrt sind, wie im Japanischen. Daherhilft die Übersetzung: "Hier ist es heiß, darum hasse ich es hier."

So haben wir das Konstrukt Ursache + ので + Effekt auch im deutschen eingehalten. Da dies natürlich etwas unüblich und schwerfällig klingt, soll dies nur eine Hilfe sein, um die Verwendung von ので richtig zu verstehen. Beim Übersetzen sollte man schließlich dann doch darauf achten, die Bedeutung komplett wiederzugeben, aber dabei noch gutes Deutsch zu formulieren.

Hier noch ein weiteres Beispiel:

彼は面白いので好きです。 (Kare wa omoshiroi node suki desu.) "Ich mag ihn, weil er lustig ist." - Oder um die Reihenfolge aus dem japanischen Original-Satz widerzuspiegeln: "Er ist interessant, darum mag ich ihn."

Wenn man sich das an ein paar Beispielen anschaut und verinnerlicht, wird man es schnell verstanden haben, und auf solche Umformulierungen verzichten. Man muß sich nur bewußt machen, daß man zuerst sagt, WAS passiert ist oder welcher Umstand gerade herrscht, und danach mit ので die Konsequenz daraus anfügt. Das ganze läßt sich auf eine ganz simple Formel herunterbrechen:

  Ursache + ので + Effekt

Samstag, 30. Januar 2010

Verben konjugieren - die beste Übersicht

Um eine Sprache richtig sprechen zu können, ist es wichtig, daß man die nötigen Verben für jede Situation kennt, und diese natürlich auch noch richtig konjugieren kann. Schließlich wollen wir nicht klingen wie Tarzan, wenn wir japanisch sprechen: "Wollen Japanisch lernen. Sprechen mit Freunden kann. Geht nach Japan zum Urlaub gemacht. Geseht schönes Land. Viele Städt reisen." Kein sehr reizvoller Gedanke, oder?

Anfangs wird man noch damit gelockt, daß die Konjugation japanischer Verben wunderbar einfach ist. Viele der lästigen Unterscheidungen, die wir aus dem Deutschen oder anderen westlichen Sprachen kennen, fallen einfach weg. Eine "ich - du - er/sie/es - wir - ihr - sie" Deklination gibt es nicht. Im Japanischen wird bei den Verben nicht nach Geschlecht unterschieden, geschweige denn nach Singular oder Plural. Wie einfach scheint es doch zuerst, wenn wir hören: Die einzige Unterscheidung die man wissen muß, läßt sich wie folgt darstellen:




食べる positiv negativ
Gegenwart/Zukunft 食べます 食べません
Vergangenheit 食べました 食べませんでした



Schaut auf den ersten Blick eigentlich ganz übersichtlich aus, nicht wahr? Lediglich positiv und negativ muß man unterscheiden? Und es gibt nur die zwei zeitlichen Unterscheidungen Gegenwart/Zukunft (praktischerweise die gleiche Form) und Vergangenheit? Ist ja großartig! - Tja, leider ist damit noch lange - und ich meine wirklich: LANGE - nicht alles gesagt. Warum? Das werdet ihr gleich merken...

Diese 4. Unterscheidungen sind ein guter Anfang und jedem Anfänger beim lernen der japanischen Sprache bekannt. Eine Zeitlang ist das auch genug, aber es gibt noch vieles mehr zu wissen. Als erstes wären da natürlich die schon mehrfach erwähnten Höflichkeitsformen. Zusätzlich kommt noch eine kleine Tücke: alles was wir gewohnt sind, durch Modalverben auszudrücken, wird hier direkt ins Verb mit eingebaut und muß als eigene Verbform gelernt werden. Daher möchte ich kurz das schöne Beispiel von oben (食べる = essen) einmal vervollständigen. Plötzlich erweiter sich diese Tabelle dann wie folgt:

食べる positiv negativ
Gegenwart/Zukunft (masu-Form) 食べます 食べません
Vergangenheit(masu-Form) 食べました 食べませんでした
Gegenwart/Zukunft (plain-Form) 食べる 食べない
Vergangenheit(plain-Form) 食べた 食べなかった
Imperativ 食べろ 食べるな
te-Form 食べて 食べなくて
Conditional: PLAIN 食べれば oder 食べたら 食べなければ oder 食べれなかったら
Conditional: FORMAL 食べましたら 食べませんでしたら
Presumptive: PLAIN 食べるだろう 食べないだろう
Presumptive: FORMAL 食べるでしょう 食べないでしょう
Volational: PLAIN 食べよう
Volational: FORMAL 食べましょう

Und, sprachlos? Schaut schon etwas beängstigender aus, nicht wahr? Und es geht noch weiter. Wegen der Übersicht (ok, auch ein bißchen aus Faulheit) habe ich jetzt mal folgende Formen "unterschlagen": Potential, Passive, Causative, Causative Passive, Honorific, Humble.


Aber keine Sorge, der Aufbau ist - einigermaßen - logisch und gut nachvollziehbar. Das wichtigste hierbei: eine gute Übersicht, die Euch beim Lernen unterstützt. Ohne diese Übersicht, wäre ich selbst nicht auf die Idee gekommen, was für Formen man alles lernen muß. Hierzu empfehle ich Euch ein phantastisches Buch: Der The Complete Japanese Verb Guide beinhaltet eine schnelle Referenz zu über 600 Verben und ist so ein perfektes Nachschlagewerk, solange diese Formen noch nicht ganz sitzen.

Das Buch beginnt mit einer rund 20-seitigen Einleitung, in der kurz und übersichtlich die verschiedenen Formen erklärt werden, wie sie gebildet und wann sie angewendet werden. Diese Übersicht ist schon sehr hilfreich, aber unschlagbar ist auch der Teil, der danach kommt: Jedem der über 600 Verben ist eine komplette Seite gewidmet. Zunächst werden alle möglichen Formen tabellarisch aufgelistet, sodaß man sie schön und schnell einsehen kann. Um es dem Lernenden der Japanischen sprache zu erleichtern, ist die Übersicht dabei - anders als in meinem obigen Beispiel - komplett in Romaji gehalten. So läßt sich die Tabelle sehr einfach lesen und die Regelmäßigkeiten können so leichter erkannt werden. Zusätzlich gibt es aber die Grundform des Verbs in der original Schreibweise mit Kanji und Hiragana und die dazugehörige Übersetzung. Um einen noch größeren Lerneffekt zu haben, gibt es nach der Übersicht auch immer noch ein paar Beispielsätze, um die verschiedenen Formen im Einsatz zu sehen. Das hilft dabei, die verschiedenen Formen, die sich teilweise nicht direkt übersetzen lassen, besser zu verstehen. Also, keine Angst mehr vor den vielen verschiedenen Formen. Wenn man erstmal angefangen hat, macht es Spaß zu wissen, bald nicht mehr wie Tarzan zu klingen... ^^

Sonntag, 27. Dezember 2009

Japanische Possessiv- und Personal-Pronomen

1. Possessivpronomen
Die Possesivpronomen, also besitzanzeigenden Fürwörter, werden im Japanischen - glücklicherweise - denkbar einfach gebildet. Hierzu hängt man einfach an den Namen oder das Personalpronomen die kleine Silbe の (no) an. Dabei muß man sich wieder den typischen, japanischen Satzbau vor Augen halten, der es für uns unmöglich macht, aus dem Deutschen Wort für Wort zu übersetzen. Aus unserer Sicht wirken die Sätze eherwie eine Aneinanderreihung von Substantiven mit einem Verb zum Schluß. Entsprechend heißt also beispielsweise "mein Regenshirm" also 『僕の傘』 (ぼくのかさ = boku no kasa). Hier kann man die Verwendung des の sehen, das sozusagen "zwischen mir und dem Schirm" steht. Es bedeutet dabei soviel wie "der Schirm von mir", nur das eben die Reihenfolge umgekehrt ist. Leichter kann man es sich vielleicht mit dem Genitiv als Eselsbrücke merken, wie ich kurz an einem Beispiel mit Namen zeigen möchte:『たかしさんの傘』 (Takashi-San no kasa) könnte man sozusagen übersetzen als "Takashi's Regenschirm".



2. Weitere Personalpronomen

Letztes Mal hatte ich bereits über die verschiedenen Personalpronomen "ich", "du", "sie", "wir", etc. geschrieben, um zu zeigen, wie tief die Höflichkeit in der Sprache verwurzelt ist. Mehr als fünf verschiedene Formen für "ich" können einem schon Kopfzerbrechen bereiten. Dabei außen vor gelassen hatte ich die Worte für "er" und "sie".

かれ (kare) bedeutet "er", wird aber auch als Kurzform von 彼氏 (かれし = kareshi) verwendet, was soviel wie der "Freund" in einer Beziehung bedeutet ("boyfriend"). Das weibliche Pendant dazu lautet 彼女 (かのじょ = kanojo) und heißt einerseits einfach "sie", bezeichnet aber auch die "Freundin" innerhalb einer Beziehung ("girlfriend"). Des Weiteren existieren noch ein paar - mal wieder leicht abschätzige - Wörter, um von dritten Personen zu sprechen: こいつ (koitsu) und あいつ (aitsu), was soviel bedeutet wie "dieser Kerl" oder "jener Typ". Man sollte diese Worte auch wieder eher sparsam, und vor allem nur im Umgang mit Freunden anwenden. Beim Schauen japanischer Filme, Serien oder Animes wird man diese Worte allerdings öfters zu hören kriegen.

Jetzt kommt eine kleine Gemeinheit, die aber wichtig zu wissen ist. Nachdem ich nun (mehr oder weniger) ausführlich die verschiedenen Personalpronomen erklärt habe, kommt noch ein entscheidender Hinweis: Benutzt sie so wenig wie möglich! Das mag Euch jetzt ziemlich merkwürdig vorkommen, aber vielleicht ist es Euch auch schon selbst aufgefallen, daß man diese Worte weitaus seltener zu Hören bekommt, als man es vielleicht erwarten würde. Natürlich wollte ich diese Worte erwähnen, damit Ihr sie kennt, aber es ist auch wichtig, zu verstehen, wann oder wie diese verwendet werden.


Diesen entscheidenden Hinweis habe ich aus dem Buch Making Sense of Japanese: What the Textbooks Don't Tell You (Kodansha), welches ich als Lektüre nur empfehlen kann. Anhand sehr schöner Beispiele werden hier viele Hürden sehr anschaulich erklärt, die sich zwangsläufig auftuen, solange man versucht, stur Wort für Wort ins Japanische zu übersetzen. Beim Lesen wird klar, warum es nicht reicht, nur viele Vokabeln zu kennen, sondern daß man sein ganzes Denken umstellen muß, um sich innerhalb der japanischen Sprache sicher bewegen zu können.

Zurück zu den Personalpronomen: Diese haben einzig die Funktion, ewige Wiederholungen zu vermeiden, und die Sätze "effizienter" zu gestalten und die Aufmerksamkeit nicht vom Thema abzulenken. An einem kurzen Beispiel, in Anlehnung an das oben erwähnte Buch, möchte ich kurz verdeutlichen, was gemeint ist. Fangen wir an mit einem kurzen Text, der auf die Verwendung von Pronomen weitgehend verzichtet:
  • Nachdem Anton und Bernhard sich in der Bar getroffen hatten, ging Anton nach Hause. Anton öffnete die Tür und Anton ging hinaus. Auf dem Weg nach Hause kam Anton an einem Fluß entlang. Anton war schon sehr müde, und so dachte Antont, daß Anton bereits bei Anton zu Hause angelang sei. Anton zog Antons Kleidung aus und mußte sich sehr wundern, als Anton feststellte, daß Antont nicht in Antons Bett, sondern daß Anton im kalten Wasser lag.
Dieser Text klingt offensichtlich ziemlich kompliziert. Durch die Einführung der Pronomen können wir den gleichen Text wiedergeben, ohne uns durch die ständige Wiederholung des Namens in den Wahnsinn zu treiben. Hier also noch der gleiche Text, wie er für uns ganz normal ist:
  • Nachdem Anton und Bernhard sich in der Bar getroffen hatten, ging Anton nach Hause. Er öffnete die Tür und er ging hinaus. Auf dem Weg nach Hause kam er an einem Fluß entlang. Er war schon sehr müde, und so dachte er, daß er bereits bei sich zu Hause angelangt sei. Er zog seine Kleidung aus und mußte sich sehr wundern, als er feststellte, daß er nicht in seinem Bett, sondern daß er im kalten Wasser lag. 
Zugegeben, ein bißchen holprig ist es immer noch, aber diese Version klingt schon deutlich natürlich. Trotz verzicht der ständigen Wiederholung des Namens wird immer noch klar, was gemeint ist. Wer diesen Text nun 1:1 ins japanische übersetzen würde, hätte zwar vermutlich eine Aneinanderreihung korrekter Sätze, die im Gesamtbild jedoch für den Japaner extrem merkwürdig klingen. In der japanischen Sprache geht man noch einen Schritt weiter, und verzichtet weitgehend auf die Verwendung der Pronomen, wenn das Thema geklärt ist. Schauen wir uns noch einmal an, wie der Text dann aussehen würde:
  • Nachdem Anton und Bernhard sich in der Bar getroffen hatten, ging Anton nach Hause. Öffnete die Tür und ging hinaus. Auf dem weg nach Hause, kam an einem Fluß entlang. War schon sehr müde, dachte, bereits zu Hause angelangt zu sein. Zog Kleidung aus, und mußte sich sehr wundern, stellte fest, daß nicht im Bett sondern im kalten Wasser lag. 
Natürlich ist dieser Satz für unsere Ohren fast genauso unglücklich, wie das erste Beispiel. Aber das Wichtige hierbei ist: Nachdem das Thema einmal klar ist, kann man alle weiteren Wiederholungen weglassen - jeder versteht immer noch genau, was passiert und was die Aussage des Textes ist. Hat man einmal verinnerlicht, daß im Japanischen die Sätze vielmehr im Zusammenhang, denn als einzeln allein stehend anzusehen sind, wird auch schnell klar, wie man präzise Aussagen machen kann, die für Japaner deutlich natürlicher klingen, als wenn wir jeden Satz unnötigerweise mit einem 彼 (かれ = kare) aufblasen.

Dieses Beispiel sollte ein wenig klarer machen, warum es zwar natürlich wichtig ist, die verschiedenen Pronomen zu kennen, aber auch warum diese deutlich sparsamer eingesetzt werden, als wir es vom Deutschen her kennen. Ich hoffe, das Lesen hat Euch Spaß gemacht und Ihr konntet etwas daraus lernen. Jetzt Computer ausmachen. Hinausgehen und Einkaufen. Wenn zurück, kochen und Essen. Später Fernschauen und dann Schlafen. ><

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Ich und Du - japanische Höflichkeit

Die Japaner sind als ein sehr höfliches Volk bekannt. Dies ist nicht bloß ein Vorurteil, sondern tatsächlich wahr. Selbst wenn man das erste Kennenlernen schon lange hinter sich hat, gibt es noch unzählihge Etikette-Regeln, die es zu beachten gilt. Diese Höflichkeit ist so tief verwurzelt, daß man sie an jeder Ecke der Sprache wiederfindet. Hier möchte ich als Kurz-Einstieg kurz ein paar ganz elementare Beispiele erklären.

Wir alle kennen es, daß wir fremde Personen zunächst einmal Siezen, und erst wenn sich eine gewisse Vertrautheit entwickelt hat, kann man zum legeren "Du" übergehen. Prinzipiell recht einfach, nur leider ist es im Japanischen etwas komplizierter.

Wenn wir auf deutsch etwas von uns selbst erzählen, benutzen wir ganz einfach das Wörtchen "ich". Das gleiche gilt in den meisten westlichen Sprachen, egal ob deutsch, englisch, französisch: man selbst referenziert sich unabhängig von Alter, Geschlecht oder Gesprächspartner einfach als "ich". Im Japanischen ist es nicht so einfach. Besonders der letzte Punkt, der Gesprächspartner, und welchem hierarchischen Rang man zu diesem steht, bestimmt, wie man von sich selbst sprechen sollte.
  • Die erste Form, die man immer und überall lernt, ist 私 (わたし = watashi). Diese Form ist die allgemein Höfliche und kommt am Häufigsten zum Einsatz. Hiermit kann man also nicht viel falsch machen. Wenn man neue Leute kennen lernt, mit dem Verkäufer im Laden spricht, oder einfach jemanden nach dem Weg fragen möchten, liegt man mit 私 richtig. Es ist ungefähr mit unserem "Sie" als Anrede vergleichbar und gehört zu der normalen, anzuwendenden Höflichkeitsform. Diese Form wird dabei von beiden Geschlechtern gleichermaßen verwendet.
  • Zusätzlich gibt es eine weitere Form, die nur von Frauen verwendet werden kann: あたし (atashi). Auch eine höfliche Form, die nichts anderes als "ich" bedeutet, aber sehr weich und femin ist.
  • Es gibt ein eigenes Wort, das vorrangig von Jungs und unter Freunden verwendet wird. Es lautet 僕 (ぼく = boku). Es klingt sehr locker und jugendhaft, wird aber gelegentlich auch verwendet, wenn sich junge Leute mit älteren oder ranghöheren Gesprächspartnern unterhalten. Gelegentlich wird es sogar auch von jungen Frauen verwendet, wie mir in einem Lied von 浜崎あゆみ (Ayumi Hamasaki) aufgefallen ist. 
  • Die wohl lockerste Form, die Männer benutzen können, um von sich selbst zu sprechen ist 俺 (おれ = ore). Es ist etwas respektloser und klingt deutlich männlicher, als das zuvor erwähnte, jugendliche 僕. Unter Freunden ist diese Form häufig anzutreffen, aber auch dann, wenn man(n) auf Gesprächspartner trifft, die deutlich niedriger in der Hackordnung stehen. Beobachten kann man dies z.B. in japanischen Yakuza-Filmen, wo diese Form oft innerhalb dieser Kreise verwendet wird.
  • Von ganz unten nach ganz oben, gibt es schließlich noch eine extrem unterwürfige Form, um sich selbst zu referenzieren. Solltet Ihr also einmal in die Verlegenheit kommen, Euer Wort an den Kaiser von Japan zu richten, wäre vermutlich 私 (わたくし = watakushi) die angemessene Form, um von Euch selbst zu reden. Die kleine Extrasilbe "ku", die in die reguläre Höflichkeitsform eingebaut wird, macht deutlich, daß das Gegenüber weitaus Ranghöher ist, und der Sprecher ihm oder ihr den nötigen Respekt zollt.
So, genug von sich selbst gesprochen. Als ob diese vielen verschiedenen Formen von "ich" nicht schon genug wären, gibt es das (fast) gleiche Spiel natürlich auch noch für die Anrede Eurer Gesprächspartner. Einfach zwischen dem freundschaftlichen "Du" und dem höflichen "Sie" zu unterscheiden, ist in der japanischen Kultur natürlich nicht ausreichend.
  • Auch hier möchte ich wieder zunächst die erste Form nennen, die man für gewöhnlich lernt, wenn man sich der japanischen Sprache widmet. Um jemanden anzusprechen, gibt es das Wort あなた (anata), welches man sowohl für "Du" als auch "Sie" verwenden. (Zumindest am Anfang, solange man noch als frischer Lehrling der Sprache versucht, die eigene Sprache eins zu eins zu übersetzen.) Tatsächlich ist hier jedoch vorsicht geboten. Wie bei (leider) vielen Dingen im Studium der japanischen Sprache, ist dies nur eine starke Vereinfachung, um uns als Anfänger nicht zu verschrecken. Erst wenn man ein bißchen tiefer in die Sprache einsteigt, lernt man die Feinheiten kennen. So wird es anders als bei uns das "Du" oder "Sie" tatsächlich eher als eine sehr intime Anrede verwendet, beispielsweise in Briefen, die Ehepartner einander schreiben. (Dies ist auch in Filmen zu beobachten: Ein Brief der Frau an ihren Liebsten beginnt oft einfach mit 「あなた!」 was ohne weitere Anrede oder hinzufügen eines Namens oder sonstiger Floskeln - zumindest laut Untertiteln - soviel bedeutet, wie "Mein Schatz" oder "Mein Liebling".
  • Für Gewöhnlich ist あなた also eher sparsam zu verwenden. Die direkte Anrede ist für Japaner in dieser Form eher ungewohnt und fühlt sich ein bißchen merkwürdig an. Am üblichsten ist es, sie in der dritten Person, einfach direkt mit dem Namen anzusprechen. Statt 「今日あなたは時間があるの?」 ("Hast Du heute Zeit?") wäre also eher 「今日たかしくんは時間があるの?」 ("Hat Takashi heute Zeit?") also weitaus üblicher, also die Verwendung des Namens des Gesprächspartners (hier: Takashi). Dies erfordert anfangs etwas Gewöhnung, da man doch umdenken muß, und bald merkt, daß man nicht einfach direkt aus dem Deutschen übersetzen kann, um natürlich zu klingen. 
  • Noch häufiger ist es, die Anrede einfach wegzulassen. Aus dem Zusammenhang und der direkten Konversation wird sie überflüssig, und es ist klar, was gemeint ist. Die Frage, ob beispielsweise der Gesprächspartner etwas Sushi essen möchte, lautet dann einfach bloß 「寿司を食べたいんですか?」 ("Sushi wo tabetai n desu ka?"), bei dem jegliche Anrede weggelassen werden kann.
  • Manchmal ist es jedoch erforderlich, den anderen anzusprechen, z.B. um etwas zu betonen. Neben der Verwendung des Namens gibt es noch das Wort きみ (kimi), was ein einfaches "Du" unter Freunden bedeuten kann. Es kann auf Augenhöhe verwendet werden und klingt nicht so stark, wie あなた。
  • Hoffentlich nicht, um es zu verwenden, aber um es wenigstens zu verstehen, noch zwei Formen, die eher, bzw. sehr unhöflich sind, und nur dann verwendet werden, wenn man dem Gegenüber seinen niedrigeren Stand unter die Nase reiben möchte. 
    • あんた (anta) ist eine Form, die - so wurde mir gesagt - beispielsweise von älteren Frauen gegenüber kleinen, frechen Kindern verwendet wird. Beim Schreiben ist darauf zu achten, da man hier leicht ins Fettnäpfchen treten kann, wenn man beim Tippen versehentlich ein "a" unter den Tisch fallen läßt, und aus dem "anata" diese arrogantere Form "anta" wird. Unter Freunden handelt man sich hier jedoch in der Regel höchstens ein paar Lacher ein. ^^
    • Will man seiner Überlegenheit besonderen Ausdruck verleihen, wird das minderwertige Gegenüber mit お前 (おまえ = omae) tituliert. Auch bei dieser Form hoffe ich, daß Ihr sie nur in Animes oder Filmen antreffen werdet, und sie möglichst nicht - außer im Scherz unter Freunden - im Alltag anwendet, und damit irgendwelchen Japanern auf den Schlips tretet. 
Dies sind zunächst mal die wichtigsten Formen, denen man begegnen wird, wenn man sich mit der japanischen Sprache beschäftigt. Ein Hinweis noch: ganz leicht kann man aus diesen Formen eine Plural-Anrede machen, indem man einfach die Silben たち ("-tachi") anhängt. Die Höflichkeitsstufe bleibt dabei erhalten. Wir ist also 私たち (watashitachi) und Ihr wird einfach als あなたたち (anatatachi) gebildet.

So, damit habe ich einen ersten, ganz groben Überblick über die verschiedenen Höflichkeitsformen geben wollen. Das deckt natürlich bei Weitem nicht alles ab! Dies war nur ein kleiner Vorgeschmack, was noch alles auf Euch zukommt. Aber keine Angst, ich will Euch damit nicht entmutigen, sondern Euch eher darauf vorbereiten, was Euch noch erwartet. Aber ich kann Euch beruhigen: Allein die Tatsache, daß Ihr Euch die Mühe macht, diese fremde und schwierige Sprache zu lernen, wird Euch schon anerkannt werden, und die meisten werden eher Eure Mühe zu schätzen wissen, statt auf den kleinen Fehlern herumzureiten, die jeder macht.

Also, keine Sorge und weiterhin viel Spaß beim Lernen!